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Interview in SRS News 4/2012, Fragen zu Olympia 2012: Erfolg kann einem niemand garantieren

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Wie kann man sich deine Olympia Vorbereitung vorstellen?
Die Zeit vor Olympia war sehr intensiv. Da wir leider keinen künstlichen Kanukanal in der Schweiz haben und mir damit die adäquaten Trainingsbedingungen fehlten, habe ich die letzten drei Jahre teilweise fast 50% der Zeit im Ausland verbracht. Alleine in den 12 Monaten vor Olympia war ich rund achtmal in London um mich auf der Olympiastrecke vorzubereiten. Währenden dem Winter war ich jeweils für längere Zeit in Neuseeland und Australien. Ich habe zudem seit 2010 einen eigenen Coach angestellt und finanziell enorm viel in mein privates Olympiaprojekt investiert. Der Aufwand, um im Kanuslalom an der Weltspitze zu bleiben, ist enorm. Immerhin war ich in London an den Olympischen Spielen der einzige Kanute, der noch einer regelmässigen Arbeit nachging. Die letzten 20 Jahre beinahe jeden Tag und wenn man sich an einem durchschnittlichen Arbeitspensum orientiert, verbrachte ich 7-8 Jahre Arbeitszeit in meinem Kajak.

Was hat dich motiviert? Was war dein Antrieb für den ganzen Aufwand?
Ich habe immer gewusst, dass wenn am Tag X alle relevanten Erfolgsfaktoren zusammenspielen ich eine Medaille gewinnen kann. Dieses Wissen hat mich motiviert. Zudem hatte ich viel Freude am Training und an dem Weg an die Olympischen Spiele. Dies, obwohl dieser Weg manchmal wirklich sehr schwierig war.

Welche Eigenschaften deiner Persönlichkeiten waren für dich hilfreich während der Vorbereitung?
Mein Ehrgeiz, meine Zielstrebigkeit und die Fähigkeit, dass ich bereit war, mich durch Veränderung zu verbessern. Ich habe versucht, alle relevanten Erfolgsfaktoren optimal zu beeinflussen und aus den Erfahrungen von meinen ersten beiden Olympischen Spielen in Athen und Peking zu lernen. Rückwirkend betrachtet ist mir das optimal gelungen.

Wie hast du die Zeit in London erlebt?
Eigentlich sehr positiv. Für mich war die unmittelbare Vorbereitung beinahe perfekt gelaufen. Alles hat gepasst. Ich habe mich mental monatelang auf die Situation vor Ort eingestellt und war sehr gut auf die Wettkämpfe eingestellt. Ich habe keine Sekunde daran gezweifelt, dass ich dieses Mal nicht ein gutes Resultat abliefern würde. Ich habe immer davon geträumt, einmal an den Olympischen Spielen zu stehen und dieses Gefühl zu haben.

Was waren deine ersten Gedanken nach dem missglückten Lauf?
Ich habe schnell gemerkt, dass etwas geschehen ist, dass ich nicht beeinflussen konnte. Ich habe gespürt, dass ich mental, technisch und physisch nicht besser am Start stehen kann, als ich es in London gemacht habe.
Ich war mir aber immer bewusst, dass wenn ich an den Start meiner dritten Olympischen Spiele gehe, ich auch das Risiko eingehe, dass es wieder nicht klappt. Als ich unmittelbar vor der schwierigsten Stelle im Parcours gespürt habe, dass mein Paddel gebrochen war, ist für mich mit dem Paddel auch eine Welt zusammengebrochen. In den 22 Jahren, wo ich Kanusport betrieben habe, ist mir bis zu diesem Zeitpunkt in einem Wettkampf nicht einmal das Paddel gebrochen.

Wie hast du das Geschehene verarbeitet?
Es hilft mir sehr, dass ich mir auch drei Monate nach Olympia keinen Vorwurf machen kann. Obwohl ich sehr selbstkritisch bin, würde ich wieder alles gleichmachen. Das war nach Athen und Peking anders. Ich bin aber immer noch in einer Findungs- und Orientierungsphase.

Als Sportler und Mensch, was nimmst du von den olympischen Spielen in London für dein Leben mit?
Erfolg kann einem niemand garantieren. Man kann sich nur selber garantieren, dass man alle relevanten Erfolgsfaktoren optimal beeinflusst. Wenn man das schafft, ist nicht nur die Chance auf Erfolg gross, sondern man kann sich im Falle einer Niederlage auch keinen Vorwurf machen.

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