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NACH 25 JAHREN: Kanute Mike Kurt beendet seine Karriere

Solothurner Zeitung, 1. 6. 2016
Mike Kurt zählte über ein Jahrzehnt zu den besten zehn Kanuslalomfahrer der Welt. Nun beendet das Aushängeschild der Schweizer Kanuten seine Karriere. Künftig will sich der 36-Jährige voll seiner Crowdfunding-Plattform für Sportler «I believe in you» widmen.

Mike_Kurt
Foto Credits: www.fotomotion.ch

Letztmals stand Mike Kurt vor drei Jahren an den Europameisterschaften in Krakau (Polen) auf dem Podest. Exakt zehn Monate nach der wohl bittersten Niederlage seiner Karriere an den Olympischen Spielen 2012 in London war der Gewinn der Silbermedaille «eine riesige persönliche Genugtuung», wie der Kanute damals sagte. In London brach Kurt im entscheidenden Halbfinallauf sein Paddel und schied aus.

Dass Sieg und Niederlage insbesondere in seiner Sportart nahe beieinander liegen, musste der im Kanton Bern aufgewachsene Kanute immer wieder erleben. Bereits 2004 (in Athen) und 2008 (in Peking) zählte er zu den Medaillenanwärtern, verpasste aber im entscheidenden Lauf einen Spitzenplatz. Insbesondere sein Sieg in der Qualifikation in Athen 2004, bleibt für ihn ein unvergessenes Erlebnis.

Obwohl das Aushängeschild der Kajakfahrer auf der nationalen Bühne jeweils hauptsächlich bei seinen Olympiaauftritten in Erscheinung trat, feierte Mike Kurt seine grössten Erfolge im Weltcup. Als bisher einziger Schweizer stand er auf dem Podest im Gesamtweltcup und konnte in dieser Wertung zwei Mal (2007 und 2010) den zweiten Platz erreichen. Auch an Welt- und Europameisterschaften gewann der Solothurner im Einzel und im Team insgesamt acht Medaillen. 2003 führte er als Startfahrer das Schweizer Team nach über 50 Jahren erstmals wieder zum Weltmeistertitel im Mannschaftswettbewerb.

Die internationale Karriere des Kanuten startete vor 20 Jahren, als er 16-jährig erstmals an den Europameisterschaften in der Elitekategorie teilnahm. Zwei Jahre später gewann der heute 36-jährige zwei Medaillen an den Junioren-Weltmeisterschaften. In der Folge etabliert er sich über ein Jahrzehnt lang unter den zehn besten Kanuten der Welt und konnte bis auf Rang drei der Weltrangliste vorstossen.

Ein «Rücktritt auf Raten»

Es war ein «Rücktritt auf Raten», wie es der Wildwasserkanute selber beschreibt. Anders als seine Konkurrenten aus dem Ausland, hat der studierte Betriebsökonom während seiner sportlichen Karriere nebenher studiert und dann in einem Teilzeitpensum gearbeitet. So haben sich seine Prioritäten über die letzten zwei Jahre immer mehr weg vom Spitzensport hin zu seiner beruflichen Tätigkeit verschoben.

Der Solothurner musste sich schliesslich die letzten Monate zugestehen, dass sich seine beruflichen Ambitionen kaum noch mit dem Spitzensport vereinbaren lassen. So zeichnete es sich immer mehr ab, dass die Olympischen Spiele in Rio für ihn wohl kein Thema mehr sein werden.

«Zuletzt bin ich ausschliesslich aus Freude am Sport gepaddelt und habe mein Trainingspensum drastisch reduziert. Trotz guten Resultaten im Weltcup reicht das nicht, um konstant mit der absoluten Weltspitze mitzuhalten und um eine Olympiamedaille zu kämpfen». Dennoch versuchte er vor zwei Wochen an den Europameisterschaften nochmals für die Schweiz einen Quotenplatz für Olympia zu holen. Kurt verpasste ein Tor und damit wird definitiv erstmals seit 1996 kein Schweizer Kajakfahrer bei Olympia am Start sein.

Neue Herausforderung

Vor drei Jahren gründete Mike Kurt zusammen mit dem Fechter Fabian Kauter und dem Online-Spezialisten Philipp Furrer «I believe in you», eine Crowdfunding-Plattform für Sportler. Damit reagiert er sozusagen auf sein eigenes Bedürfnis nach finanziellen Mitteln für den Sport: «Ich musste während meiner Karriere immer auch selber Geld für meinen Sport sammeln und wollte das für andere Sportler vereinfachen », erklärt der Kanute.

Aus der Idee wurde ein erfolgreiches Startup-Unternehmen und Kurt ist als CEO unter anderem für die internationale Expansion des Unternehmens zuständig: «Für mich ist es eine tolle Herausforderung. Ich kann meine Erfahrungen als Sportler und Betriebsökonom in diesem Projekt optimal vereinen».

Das Thema «Sportförderung» beschäftigt Mike Kurt bereits bei diversen Engagements (u.a. beim Sportförderungs-Club Sport Heart) und wird auch künftig ein grosses Anliegen für den Solothurner sein. «Es wäre schön, wenn die Rahmenbedingungen für den Schweizer Sport und insbesondere für den Kanusport verbessert werden könnten», meint er.

Der definitive Entscheid vom Spitzensport zurückzutreten, ist ihm indes nicht leichtgefallen: «Ich bin 25 Jahre fast jeden Tag in meinem Boot gesessen und Sport war ein grosser Teil meines Lebens. Ich liebe das Kaufahren immer noch und bin sehr dankbar dafür, was mir der Spitzensport an Erfahrungen und Erlebnissen gegeben hat».

Mike Kurt möchte deshalb auch künftig als Freizeitsportler dem Kanusport verbunden bleiben und weiterhin regelmässig Sport betreiben.

 

Wichtigste Erfolge:

Zwei Mal 2. Platz Gesamtweltcup (2007 & 2010), Weltranglisten Nr. 3, Einzel Vize-Europameister 2013, Team Europa- und Weltmeister (2003 & 2004), Zweifacher Junioren Vize-Weltmeister 1998 (Einzel und Team), Vize-Studentenweltmeister 2006, 10-facher Elite Schweizermeister, Drei Olympiateilnahmen (Athen, Peking und London).

Kanuslalom Weltcup in La Seu d’Urgell/Sp: Mike Kurt fährt ins Finale

Der Solothurner Mike Kurt qualifizierte sich am Wochenende beim Kanuslalom Weltcup in La Seu d’Urgell/SP für das Finale der besten Zehn.


Mike Kurt in Seu d’Urgell

Auf der Olympiastrecke von 1992 verpasste er jedoch im Finaldurchgang mit dem 8. Rang einen Podestplatz relativ deutlich. Dank der Finalteilnahme endete der erste Teil der Saison dennoch mit einem versöhnlichen Resultat für den 33-jährigen.

Obwohl für Mike Kurt zuletzt bei den Weltcuprennen Spitzenresultate ausblieben, zieht er  eine positives Bilanz der bisherigen Saison: „ Der Fokus liegt für mich dieses Jahr klar auf der EM und der WM. Der Gewinn der EM-Silbermedaille war für mich nach der Niederlage an den Olympischen Spielen in London eine grosse Befriedigung“. Für den Solothurner war es indes schwierig sich unmittelbar nach seinem grössten sportlichen Erfolg wieder voll auf den  Weltcup zu konzentrieren. Dazu kam, dass Mike Kurt nach der EM mit gesundheitlichen Problem zu kämpfen hatte und zwischen den Weltcuprennen zusammen mit dem Fechter Fabian Kauter die erste Crowdfunding-Plattform  für Sportler „I believe in you“  www.ibelieveinyou.ch lancierte.
Sicher nicht optimale Bedingungen, um Weltklasseleistungen zu zeigen. Dementsprechend landete Kurt bei den ersten beiden Weltcuprennen nach der EM lediglich auf den Rängen 24 und 28. „Die Resultate sehen schlechter aus als meine Leistung effektiv war“, meint der Wildwasserkanute. „ Im Kanuslalom liegen Erfolg und Niederlage eng beieinander  und ich war bei den ersten zwei Weltcuprennen jeweils gut unterwegs, machte aber am Ende der Läufe Fehler die mir ein Spitzenresultat kosteten“. Dass er nun am Wochenende zum Abschluss der ersten drei Weltcuprennen wieder unter der „Top Ten“ der Welt platziert war, stimmt Mike Kurt zuversichtlich. „ Ich bin zwar nicht mehr so gut gefahren wie an der EM, aber mein Resultat hat mir gezeigt, dass ich auch unter erschwerten Bedingungen durchaus Spitzenplatzierungen fähig bin“.

Ab Montag steigt Mike Kurt nun in die Vorbereitung  auf die Weltmeisterschaften im September ein. Als Vorbereitung auf die WM in Prag nimmt der Kanute im August noch an weiteren zwei Weltcuprennen teil.

Silber an der Kanuslalom-EM 2013 in Krakau!

Der dreifache Olympia-Teilnehmer Mike Kurt gewann an den EM der Kanu-Slalom in Krakau im Kajak-Einer die Silbermedaille. Der 33-jährige Berner feierte damit den grössten Einzelerfolg seiner Karriere – im ersten Wettkampf nach dem Paddelbruch im Vorjahr bei Olympia.

Den EM-Titel holte sich der mehrfache tschechische WM-Medaillengewinner Jiri Prskavec. Kurt büsste lediglich 0,63 Sekunden auf den Goldgewinner ein. Bronze sicherte sich der Deutsche Fabian Schubert mit einem Rückstand von 2,45 Sekunden.

Kurt war im Verlaufe seiner Karriere schon Team-Europameister und -Weltmeister. Allerdings liegen diese Erfolge in nicht-olympischen Disziplinen bereits rund ein Jahrzehnt zurück. Ebenso ist der Gewinn von EM-Silber höher einzustufen als die zweiten Plätze im Gesamtweltcup von 2007 und 2010. „Es ist für mich der grösste Erfolg aller Zeiten. Ich bin vor allen drei Medaillengewinnern von Olympia klassiert. Das ist für mich eine riesige Befriedigung“, freute sich Kurt. Nach den Olympischen Spielen von 2004 in Athen und 2008 in Peking hatte sich Kurt noch grosse Vorwürfe gemacht; mentale Schwächen waren geortet worden. „In London konnte ich mir selber aber nichts vorwerfen. Das Feeling war nun wieder genau gleich wie in London. Ich blieb ungemein ruhig.“

Vierte Olympia-Teilnahme möglich
Er habe während Jahren schon so fahren wollen wie am Samstag in Krakau, erzählte Kurt weiter. Die dreijährige Aufbauarbeit für die Spiele in London hätten sich nun im Nachhinein bezahlt gemacht. „Ich hatte wahnsinnig viel investiert. Jetzt bin ich so gut wie noch nie.“ Die WM im September in Prag bildet den zweiten Saisonhöhepunkt. „Ich wollte in diesem Jahr Edelmetall an EM oder WM holen. Diesen Anspruch habe ich bereits erfüllt.“

Ob Kurt den kompletten Olympia-Zyklus durchzieht, lässt er noch offen. „Wenn ich so unglaublich gut bleibe wie im Moment, kann ich mir schon vorstellen, bis zu den Spielen 2014 in Rio dabei zu bleiben. Auf der anderen Seite habe ich es mir bereits jetzt mit dem Gewinn von EM-Silber selbst beweisen können.“ Für eine vierte Olympia-Teilnahme fühlt sich Kurt auf alle Fälle noch nicht zu alt. „Es gab schon Olympia-Final-Teilnehmer mit vierzig.“

Video vom Final-Lauf

TV-Video vom Final-Lauf
(Lauf von Mike ab 1.05.35) 

Rangliste

 

Kanuslalom-Europameisterschaften Krakau/POL: Hochwasser verzögert den Start der EM

Eigentlich hätte mit den Qualifikationsläufen an diesem Freitag der erste Ernstkampf der Slalomkanuten der Saison 2013 starten sollen. Der Fluss Weichsel überflutet in der polnischen Stadt Krakau aber seit Tagen die künstliche Slalomstrecke.

Lange war es unklar, ob überhaupt gestartet werden kann. Mike Kurt ist sich diese Situationen aus vergangenen Jahren gewohnt. „Es kommt immer wieder vor, dass Wettkämpfe wegen Hochwasser abgesagt oder verschoben werden müssen. Dies, obwohl alle grossen Entscheidungen auf künstlichen Strecken stattfinden. Mühsam ist einfach das lange Warten und dass man nie weiss, wann es nun effektiv los geht. “ Höchstwahrscheinlich  werden nun die Europameisterschaften am Samstag doch stattfinden. Jedoch reduziert auf zwei Läufen, also ohne Semifinal und auf einer kürzeren Strecke.Für Mike Kurt wird es der erste internationale Einsatz sein an einem Titelwettkampf seit den Olympischen Spielen in London. „ Obwohl ich dieses Jahr deutlich weniger trainiert habe als in der Olympiasaison, fühle ich mich eigentlich sehr gut auf dem Wasser und freue mich auf den  Vergleich mit der Weltspitze“, meint der 33-jährige.  Hauptziel für den Solothurner sind aber die Weltmeisterschaften im September in Prag.

Erfolgreicher Saisonstart in Goumois: 2 x Rang 1 in EM-Qualifikation

Nationale EM-Ausscheidung in Goumois: Zweifach-Sieg beim ersten Einsatz von Mike Kurt

Über sieben Monaten nach seinem letzten Wettkampfeinsatz startet der Slaomkanute Mike Kurt an diesem Wochenende zum ersten Mal wieder an einem Ernstkampf. Auf dem Doubs im jurassischen Goumois fanden die ersten zwei Wettkämpfe zu nationalen EM- Ausscheidung der Slalomkanuten statt.

Trotz fehlender Wettkampfpraxis vermochte sich der Solothurner an beiden Wettkampftagen jeweils vor dem belgischen Olympiateilnehmer Matthieu Doby und dem Schweizer Lukas Werro durchzusetzen. Damit ist seine Nomination für die Europameisterschaften in Krakau im kommenden Juni reine Formsache. Kurt zeigte sich zufrieden über seine Leistung: „Nach Olympia legte ich eine ungewöhnlich lange Trainings- und Wettkampfpause ein. Dass es mir nun am Wochenende nach einem bisher relativ kurzen Aufbau gelungen ist beinahe wieder an die letztjährige Olympiaform anzuknüpfen, hat mich selber positiv überrascht“.

Mike Kurt hat nach seinem dritten Olympia-Einsatz in London erst im Februar entschieden noch mindestens ein weiteres Jahr Spitzensport zu betreiben. Sein Saisonziel sind dabei die Weltmeisterschaften in Prag im kommenden September.

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