Newsarchiv

Solothurner Zeitung 11. 9. 2012: Erinnerungen, aber kein Trost

Kanu: Mike Kurt gewann die 41. Aaremeisterschaft in Grenchen

von Monique Iseli

Schnell war klar, dass sich am Sonntag ein Star unter den Kanuten in Grenchen befand. Es wurde getuschelt, als er an den Start ging. «Schau, wie schnell er fährt», sagte eine Mutter am Aareufer zu ihrem Sohn. Der Junge war nicht der Einzige, der über den schnellen und dynamischen Fahrstil von Mike Kurt staunte. Nachdem der Solothurner nach der Enttäuschung in London das Saisonende für internationale Wettkämpfe bekannt gegeben hatte, nahm er sich nun Zeit für die Teilnahme an der 41. Aaremeisterschaft. Für den 32-Jährigen kamen bei der Archbrücke in Grenchen schöne Erinnerungen hoch. 1990 hatte er damals zum ersten Mal teilgenommen. «Und im Alter von 15 Jahren habe ich hier die ganze Elite geschlagen», erzählte Kurt. «Ich war wahnsinnig stolz.» Dass er gegen jene Fahrer antreten durfte, die sich auch in internationalen Wettkämpfen massen, wusste er bereits damals zu schätzen. Und nicht zuletzt deswegen war der Olympionike dieses Jahr wieder am grössten Kanuslalom der Schweiz anzutreffen. «Ich will meine Vorbildfunktion den Jungen gegenüber wahrnehmen, ihnen vor allem aber auch zeigen, was es braucht, um im Kanusport zur Weltspitze zu gehören.»

«Im Alter von 15 Jahren habe ich hier die ganze Elite geschlagen und war wahnsinnig stolz.»

Dass Kurt seine Rolle als Idol ernst nahm, lag auch OK-Präsident Yves Schindler am Herzen. «Mike Kurt soll den Nachwuchsfahrern zeigen, wie gross das Delta zwischen ihrem Leistungsstand und demjenigen der Weltspitze ist», verdeutlichte Schindler, der zusammen mit seinem Sohn den Parcours absolviert hat. Die Jungen bräuchten ein Vorbild, an dem sie festhalten können. Und wer eignet sich dafür besser als ein Olympia-Teilnehmer aus der Region, an dessen Zeit sich alle teilnehmenden Kanuten messen können?

Klarer Tagessieg

Während Kurts erstem Lauf richtete sich die Speakerin an die Teilnehmer: «So ist dieser Parcours zu bewältigen.» Doch auch den grössten Stars unterlaufen kleine Fehler und so berührte Kurt in seinen beiden Läufen zweimal ein Hindernis. «Ich bin an das Wildwasser gewohnt. Das Flachwasser war für mich eine Herausforderung», erklärte Kurt. Er sei zudem nicht mehr in Topform, da ihm seit dem Paddelbruch in London die Motivation zum Training fehlte. Mit einer Gesamtzeit von 95,16 Sekunden lag er aber dennoch mit mehr als 8 Sekunden klar vor dem zweitplatzierten Adrian Sallaz vom Gastgeberklub Grenchen. Neben Sallaz konnte sich auch Klubkollegin Sonja Baumgartner mit ihrem Sieg bei den Frauen über einen Heimerfolg freuen. Einen echten Trost für das in London Geschehene bot Kurts gelungener Auftritt in Grenchen aber nicht. «Die Olympischen Spiele sind nicht vergleichbar mit jeglichen anderen Rennen», so Kurt. Deshalb habe er sich heuer auch aus dem Internationalen Wettkampf verabschiedet. Am Wochenende wird der Solothurner aber in Genf um seinen 10. Schweizer-Meister-Titel kämpfen.

 

Interview bei TeleBärn 10. August 2012

Mike Kurt gibt Auskunft zu den Olympischen Spielen London 2012

615-544-2468

Rabenschwarzes Pech im Olympia-Halbfinal für Mike Kurt

Si-News Kanu

Olympia und Mike Kurt: Das passt einfach nicht zusammen. In London ist der Berner Slalom-Kanute zum dritten Mal bei Sommerspielen angetreten, um in den Kampf um die Medaillen einzugreifen, doch wie in Athen und Peking kam für ihn das Out schon vor dem Final.

Mike Kurt war im Halbfinal gut unterwegs gewesen. Bis Mitte der Strecke befand er sich im Fahrplan. Ein Platz in den Top Ten war gefordert. Unter normalen Umständen wäre ihm die Teilnahme am Final nicht mehr zu nehmen gewesen. Dann aber folgte die verhängnisvolle Anfahrt auf das Tor 18. Kurt erwischte einen Schlag, eines seiner beiden Paddelblätter ging in die Brüche und der Schweizer verlor seine Stabilität. Kurt geriet ins Trudeln und Strafsekunden waren nicht mehr zu verhindern.

Der Schaden hätte sich noch in Grenzen gehalten, wenn Kurt in dieser schwierigen Passage bloss eine Stangenberührung zu verzeichnen gehabt hätte. Bei solch einem Faux-pas hätte der Zeitzuschlag nur zwei Sekunden betragen. Und der Materialdefekt wäre vermutlich auf dem Schlussabschnitt nicht allzu negativ ins Gewicht gefallen. Doch Kurt schaffte es beim ominösen Tor nicht, den Kopf zwischen die Stangen zu bringen.

Das harte, jedoch korrekte Verdikt: 50 Strafsekunden. Diese happige Hypothek war nicht mehr wettzumachen. Die Schweizer Medaillenträume wurden weggespült. Kurts Trainer legte noch (wenig aussichtsreich) sein Veto gegen das Jury-Urteil ein. Vergeblich. Der Protest wurde zurecht abgeschmettert. Kurt blieb nur die totale Enttäuschung. Bei der Analyse vor den Journalisten konnte er die Tränen nicht mehr zurückhalten.

Aussergewöhnliches Malheur

Mike Kurt war im Vorfeld überzeugt gewesen, dass er in London endlich die Früchte seiner sportlichen und finanziellen Anstrengungen würde ernten können. Das Aushängeschild vom Klub der Solothurner Kajakfahrer hatte bei seinen Vorbereitungen nichts dem Zufall überlassen, in der Person des Franzosen Ludovic Boulesteix einen Privat-Coach engagiert und wochenlang auf dem Olympia-Kurs im Lee Valley White Water Centre intensiv trainiert. Im Vorlauf vom Montagabend hinterliess er einen bestechenden Western union point Eindruck. Kurt präsentierte sich locker und ruhig. So habe er sich auch im Halbfinal gefühlt – bis zu seinem Malheur.

„Ein derartiger Paddelbruch ist mir noch nie in meinem Leben in einem wichtigen Wettkampf passiert“, kommentierte Kurt ernüchtert. „Ich rede nicht gerne über Glück und Pech, weil ich schlussendlich selber verantwortlich bin für die Leistung, doch dieses Mal ist es wirklich extrem bitter. Ich habe nicht eine Sekunde am Final-Einzug gezweifelt.“ Es sei nicht zu vergleichen mit seinen Olympia-Pleiten in Athen und Peking. Damals sei er noch nicht bereit gewesen für einen Coup. Doch an diesem 1. August habe er schon frühmorgens felsenfest geglaubt, dass es sein Tag werden könnte.

Ohne die brutale Bestrafung von 50 Strafsekunden, die er erst nach der Zieldurchfahrt und dem Blick auf die Anzeigetafel realisiert hatte, wäre Kurt sehr wahrscheinlich in den Final eingezogen. Seine Zeit war nicht überragend gewesen, aber sie hätte wohl zur Qualifikation für den abschliessenden Showdown gereicht.

Baldiger Rücktritt?

Kurt wird es voraussichtlich nicht vergönnt sein, in seiner Karriere in einem Olympia-Final zu stehen. Der Wiedlisbacher ist 32. Die Chancen, dass er 2016 in Rio de Janeiro noch Wildwasser-Kanäle hinunterrauscht, sind gering. Der Betriebsökonom möchte in Zukunft eher berufliche Ambitionen verfolgen. Zu seinen Perspektiven im Kanusport meinte er: „Ich muss zuerst Distanz gewinnen, um einen endgültigen Entscheid treffen zu können, ob ich weitermache.“ Möglich ist, dass Kurt noch ein Jahr angehängt, weil in der Saison 2013 die Weltmeisterschaften in Prag stattfinden. An die tschechische Hauptstadt hat er positive Erinnerungen, hat er doch dort 2006 mit Rang 6 sein bestes WM-Resultat erzielt.

Italienischer Jubel – Kauzer neben dem Podest

Den Olympia-Sieg hat sich in der Person von Daniele Molmenti ein Mitfavorit gesichert. Der italienische Weltmeister von 2010 verwies Vavrinec Hradilek (Tsch) und Hannes Aigner (De) auf die anderen Podestplätze. Der slowenische Kronfavorit Peter Kauzer, der 2009 und 2011 den WM-Titel geholt hatte, ging als Sechster erneut leer aus bei Olympia. Benjamin Boukpeti aus Togo, der in Peking seinem Land die erste Olympia-Medaille der Geschichte beschert hatte, wurde Zehnter.

 

 

Mike Kurt sicher im Halbfinal von London 2012

Anders als vor vier Jahren in Peking ist der Slalom-Kanute Mike Kurt nicht schon in der Qualifikation hängen geblieben. Er meisterte die erste Hürde problemlos. Für den Halbfinal-Einzug im Kajak-Einer war Platz 15 gefordert, der gebürtige Berner wurde Sechster.

In der Qualifikation war Kurt im Prinzip bereits nach dem ersten von zwei Läufen die Halbfinal-Teilnahme nicht mehr zu nehmen. Er hatte sich mit einer lockeren Fahrt auf den 3. Rang geschoben. Weil nur die bessere der beiden Zeiten in die Wertung kam, musste Kurt keine Angst mehr haben bezüglich eines frühzeitigen Ausscheidens. In Peking war er als Siebzehnter gestrauchelt.

Im zweiten Durchgang war Kurt noch schneller unterwegs als im ersten. Nur wegen vier Strafsekunden wegen zwei kleinen Torfehlern fiel die Endzeit minim schlechter aus. Im Klassement der Qualifikation büsste er noch drei Positionen ein, dies störte den 32-Jährigen aber überhaupt nicht: „Wenn ich mir einen Masterplan zurecht gelegt hätte, hätte ich mir für die Qualifikation genau dieses Szenario gewünscht. Platz 6 ist für mich ideal für den Halbfinal. Auch wegen der Startnummer.“

Der deutsche Qualifikationssieger Hannes Aigner wird im Halbfinal als Letzter starten. Dass dies nicht unbedingt ein Vorteil sein muss, hat Mike Kurt am eigenen Leib erfahren. 2004 in Athen hatte er die Qualifikation gewonnen, ehe er im Halbfinal total abstürzte. Deshalb ist es ihm recht, dass er in London nach dem Vorlauf nicht an der Spitze steht, sondern einen Platz im vorderen Mittelfeld einnimmt. Von den Top-Favoriten musste bis jetzt zwar noch keiner die Segel streichen, von den Medaillenkandidaten hatten jedoch – im Gegensatz zu Kurt – schon einige Nerven gezeigt.

Kurt trat souverän auf, obwohl er hinterher zugab, vor dem Wettkampf sehr nervös gewesen zu sein. Er habe Bammel gehabt. Trotzdem sei es ihm gelungen, die Ruhe zu bewahren. Mit dem ersten Lauf, der in etwa einer durchschnittlichen Trainingsleistung entsprochen habe, schaffte er auf Anhieb den Sprung in die Spitze. Kurt ist überzeugt, dass er für den Mittwoch noch Steigerungspotenzial hat. Dies stimmt ihn zuversichtlich. Am Mittwoch wird es mit einer neuen Streckenführung wieder bei Null losgehen. Aus dem 15-köpfigen Halbfinal-Feld werden zehn Athleten in den kurz darauffolgenden Final einziehen.

Bevor Kurt wieder an der Reihe ist, wird auch seine Landsfrau Elise Chabbey im Lee Valley White Water Centre ins Geschehen eingegriffen haben. Für die erst 19-jährige Genferin steht die Qualifikation heute Montag im Programm. Es wäre eine Überraschung, wenn sich die Olympia-Debütantin für den Halbfinal vom Donnerstag empfehlen könnte. Als 75. der Frauen-Weltrangliste ist sie unter den 21 Teilnehmerinnen als Nummer 17 gesetzt. Sie müsste also mindestens zwei höher eingestufte Konkurrentinnen hinter sich lassen.

Qualifikation. Slalom. Kajak-Einer. Männer (2 Durchgänge, besserer Lauf in der Wertung):

1. Hannes Aigner (De) 83,49 (0 Strafsekunden). 2. Samuel Hernanz (Sp) 87,07 (0). 3. Vavrinec Hradilek (Tsch) 87,44 (0). 4. Mathieu Doby (Be) 87,92 (0). 5. Peter Kauzer (Sln) 88,10 (0). 6. Mike Kurt (Sz) 88,14 (0). – 22 klassiert. – Modus: Die ersten 15 stehen im Halbfinal vom Mittwoch, am gleichen Tag wird der Final der Top 10 stattfinden.

Blick-Interview 26. Juli 2012: „Die Erwartungen an mich sind gross“


Mike Kurt: «Die Erwartungen an mich sind gross»

Der Schweizer Slalom-Kanute Mike Kurt startet bereits zum dritten Mal an Olympischen Spielen. Nach den Misserfolgen in Peking und Western union point Athen sind die Erwartungen in London gross. Blick.ch sprach mit dem Solothurner über London 2012.

Facebook Like Button for Dummies