Portrait


Mike Kurt

Seit über zehn Jahren gehört Mike Kurt zu den besten Kanufahrern der Welt. Angefangen hat die Karriere des Schweizer Aushängeschildes des Kanuslalom-Sports bereits Ende der Achtzigerjahre. Damals trat Mike dem Klub der Solothurner Kajakfahrer bei und fing an, zusammen mit seinem Vater auf Schweizer Flüssen Wildwasser zu fahren und im Klub auf der Aare und dem Emmenkanal Slalom zu trainieren. Das intensive Training zahlte sich schnell aus – im Jahr 1998 gewann er als erster Schweizer eine Einzelmedaille an der Junioren-WM. Es folgten mehrer Medaillen im Weltcup und der Welt- und Europameistertitel mit der Mannschaft im Jahr 2003 und 2004, sowie die dreifache Olympiateilnahme im Jahr 2004, 2008 und 2012. Unvergessen bleibt sein Auftritt an den Olympischen Spielen 2004, wo der damals 24-jährige nach dem überlegenen Sieg in den Qualifikationsläufen in den Finaldurchgängen eine Medaille verpasste.

Mike Kurt belegte zweimal den 2. Platz  im Gesamtweltcup und stiess bis auf Rang 3 der Weltrangliste vor. Damit ist er auch im Elitebereich der international erfolgreichste Schweizer Slalomkanute.

Parallel zu seiner Karriere als Spitzensportler absolvierte Mike Kurt ein Betriebswirtschaftsstudium und arbeitet neben der Tätigkeit im Spitzensport im Teilzeitpensum im Marketing. Basierend auf seinen langjährigen Erfahrungen im Spitzensport, führt der 9-fache Elite Schweizermeister seit 2008 erfolgreich Referate für Unternehmungen zum Thema „erfolgreich dank Niederlagen“ durch.

Steckbrief

Geburtsdatum:  02. April 1980
Wohnhort:  Solothurn (aufgewachsen in Wiedlisbach/BE)
Klub:  Solothurner Kajakfahrer (seit 1989)
Trainer:  Ludovic Boulesteix, Fritz Kurt
Beruf:  Kanufahrer, Betriebsökonom
Hobbies:  Reisen, Musik, Kleider

Grösste Erfolge

Dreifacher Olympiateilnehmer (2004, 2008  und 2012)
Gesamtweltcup Zweiter 2007 & 2010
Vize-Studentenweltmeister 2006
Weltranglisten Nr. 3 (2002 & 2003)
Weltmeister 2003 (Team)
Europameister 2004 (Team)
Vize Junioren-Weltmeister 1998 (Einzel & Team)
10-facher Elite Schweizermeister

 

Lifestyle-Artikel 16. September 2012 in “Der Sonntag” (AZ Solothurner Zeitung):

Kanute Kurt lebt aus dem Koffer

ZU HAUSE BEI Mike Kurt. Der Kajakfahrer wohnt in Solothurn nahe der Aare und träumt von einem modernen Haus am See

Ein falscher Paddelschlag und die Hoffnung auf eine Medaille war vorbei: Mike Kurt (32) sitzt am Küchentisch in seiner Wohnung und sinniert über Vergangenes, das Wohnen und die Zukunft.

Gina Kern

Mike Kurt und Olympia – ein schwieriges Kapitel. Hatte sich der Kanute doch dieses Jahr in London bei seiner dritten Olympia-Teilnahme endlich eine Medaille gewünscht. «Ich war noch so gut drauf, top vorbereitet und noch nie so nah an einer Spitzenplatzierung», sagt er, sitzt gebückt im Stuhl am Küchentisch in der 3,5-Zimmer-Wohnung in Solothurn. Kurt erzählt, wie er im Vorlauf gut unterwegs war, dann im Halbfinal einen Paddelbruch hatte, ein Tor verpasste und 50 Strafsekunden dazugerechnet bekam.

«Ich kann es heute noch immer nicht fassen, die Enttäuschung ist riesig.» Nach Athen und Peking die dritte Olympia-Niederlage. Dann schweift sein Blick aus dem Fenster, direkt auf die Aare. Er wirkt nachdenklich. Momentan befände er sich in einer Findungsphase. Noch einmal Olympia? Noch einmal Vollgas? Noch einmal vier Jahre Fokus nur auf Olympia? «Ich weiss es nicht», so der 32-Jährige.

Er habe sein Olympia-Boot eingemottet, das gebrochene Paddel liege irgendwo bei seinen Eltern. Mike Kurt war der einzige «Amateur» im olympischen Feld. Trotzdem beschäftigt er einen Privatcoach, mit dem er vor Olympia achtmal nach London reiste und im neu erstellten Wildwasserkanal – einer der modernsten weltweit – trainierte. Kurt ist studierter Betriebsökonom und arbeitet halbtags im Sozialmarketing.

Man spürt, Kurt lebt seit Jahren aus dem Koffer. Die Wohnung wurde mehrheitlich von seiner langjährigen Freundin Martina (27) eingerichtet. «Ich habe hier nicht viel dazu beigetragen», lacht er augenzwinkernd. Nur das Sofa sei von ihm, Martina gefalle das aber ganz und gar nicht. Auf dem gelben Sideboard liegt eine Erinnerung an London: eine Guetzli-Schachtel mit dem Olympia-Emblem. Ansonsten erinnert in der Wohnung wenig an einen Kanuten.

Anders im Büro. Hier ist Mikes Welt. Hier hängt ein riesiges Poster von ihm im Boot. «Das hing im olympischen Dorf», sagt er nicht ohne Stolz. In der Ecke steht ein weisser Koffer beschriftet mit «Swiss Olympic». Leer und kaputt. Der werde auch so schnell nicht wieder gepackt. Er wolle sich nun eine Auszeit nehmen und die Frage nach dem «wie weiter?» beantworten, sagt er. Auf einem weissen Gestell neben dem Koffer stehen wichtige Pokale und Medaillen. Erinnerungen an erfolgreiche Zeiten. Aber auch Erinnerungen an London. Zum Beispiel die Akkreditierung: «Ohne die Akkreditierung bist du bei Olympia niemand. Sie öffnet dir alle Türen. Für mich hat sie einen emotionalen Wert.»

Das Büro ist Mikes Welt. Bücher, Literatur aus dem Studium und verschiedenste Reiseführer füllen das Büchergestell. «Ich liebe das Reisen», schmunzelt er. «Spätestens in zwei Monaten pack ich die Koffer wieder, dann zieht es mich innerlich bestimmt wieder los.» Und dann wird er seinen wichtigsten Begleiter mit in den Koffer packen: den Computer. Das sei für ihn ein lebensnotwendiges Utensil, das überall hin mitkommt. Auch – wie heute – auf den Küchentisch. Hier arbeitet er gerne, chattet mit Freunden oder bloggt auf seiner Fanseite. Und am Küchentisch sei auch der Lebensmittelpunkt von Mike und Martina. Am Abend essen sie hier gemütlich «Piccata alla Milanese», das Mike Kurt selber zubereitet. Die gesunde Ernährung komme in seinem Trainingsalltag oft zu kurz. Er brauche viele Kohlenhydrate, um die leeren Speicher aufzufüllen.
«Z Solothurn gits villi gueti Restaurants», schmunzelt er fast etwas verlegen.


Vom Balkon hat Mike Kurt den Blick in Richtung Aare

Solothurn liegt dem gebürtigen Berner am Herzen. Er lebt gerne hier, zudem ist er seit seiner jüngsten Kindheit im Verein Solothurner Kajakfahrer. Und Solothurn liegt am Wasser – ein Argument, das auch in Zukunft zählen soll. Wenn sich Kurt seine «Wohn-Zukunft» vorstellt, dann soll die auch am Wasser sein. «Ein modernes Haus mit viel Glas und Licht, Sichtbeton, einem Pool und Blick auf einen See, das wärs», sagt er, lächelt und scheint einen Moment seine Olympia-Misere vergessen zu haben.

 

1 Comment

  • Raphael kessler

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    Heii mike Chasch duuh mir bitte di lebenslauf verzöue ??? Und chlii über dii verzöue ??!! Mit fründleche grüess raphael

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